Otjozondjupa – Otavi-Berge & Waterberg

An Tag 16 unserer Reise ging es via Tsumeb mit seinem Allround-Museum voller Geschichte der deutschen Schutztruppen, Mineralien, alten technischen Geräten und Erinnerungen, welches sogar eine Vitrine für den hiesigen Karnevalsverein reserviert hatte, weiter gen Ghaub in den Otavi-Bergen. Ein im Vergleich zu den Vorwochen fruchtbarer Fleck Erde mit Maisfeldern, viel Grün, umliegenden Kupferminen und der Ghaub-Höhle.

Die Hälfte der Gruppe wollte aber endlich Nashörner live sehen und entschied sich zu einer Breitmaulnashorn-Pirschfahrt. Die restlichen fünf – darunter ich – begaben sich mit Helm und Stirnlampe satte 38 Meter tief unter die Erde. Es war schwül, es war felsig; Sandstein, Kalkstein, Dolomit. Balancieren, kraxeln, rutschen, krabbeln und dann und wann eine Fledermaus aufschrecken. Der bislang erforschte Bereich der Höhle ist 2,5 Kilometer lang, was die Ghaub-Höhle zur drittgrößten Namibias macht. Auch kamen wir am tiefsten Punkt an ein Wasserloch von glasklarem, bläulich-schimmerndem Nass, welches bereits 500 Meter weit betaucht wurde. Aber mangelnde technische Ausstattung und vielleicht auch mangelndes Interesse haben die Irrungen und Wirrungen noch nicht fertig erforscht. Ein tolles Erlebnis, allerdings definitiv nicht für Menschen mit Klaustrophobie geeignet!

 

Die Ghaub-Farm bietet einen wunderschönen Campingbereich mit Blick über das Tal, Privatsphäre zu anderen Campern und einem Essbereich, der das Abendzeremoniell herrschaftlich aufwertet. Einzig ein paar tausend Finken in einem nahestehenden Baum meinten ihre Differenzen bis morgens um 6 Uhr ausdiskutieren zu müssen. Aber wer bin ich, dass ich Vogelgeschimpfe nicht ausblenden könnte?!

 

Manchmal braucht es nur einen morgendlichen Scherz, dass vier von sechs Zelten synchron um viertel nach sechs beschämt aus ihren Schlafsäcken schlüpfen und glauben man wäre ernstlich über die laxe morgendliche Einstellung empört.

Und trotz schon fast dreiwöchiger Erfahrung mit diesen tugendhaften deutschen Touristen, die ungeachtet der vorabendlichen Alkoholmenge jedes Timing um mindestens dreißig Minuten unterboten, staunte unser Guide nicht schlecht als alles verpackt und geladen um 8:12 Uhr (statt 9 Uhr) zur Abfahrt bereitstand. Diesen morgendlichen Scherz hat er, glaub ich, etwas bereut. Und müßig zu erwähnen, dass ich mich nur widerwillig diesen deutschen Tugenden geschlagen gegeben hatte.

Das Tagesprogramm sah vor, dass wir den Cheetah Conservation Fund nahe der Stadt Otjiwarongo besuchen würden, um die stolzen Bemühungen zum Erhalt und Schutz der hiesigen Geparden zu bewundern. So richtig wollte sich allerdings keine Begeisterung einstellen, da sich das Ganze wie eine Touristen-Nepper-Werbeveranstaltung anfühlte. Es ist eine Art Geparden-Privatzoo, wo man in zwei Gehegen mit einem großem Golfwagen an die zahmeren Tiere herangefahren wird, fotografieren darf und dabei dem nicht enden wollenden Vortrag des (österreichischen) Guides lauscht. Auch versprachen sie sich viel von der Zucht der türkischen Hunderasse ‚Kangal’, welche Nutztiere im Herdenverband effektiv schützen könne und somit die namibischen Farmer von der Idee abbrächten, den unter Schutz stehenden Geparden aus vorgeschobener Besitzverteidigung zu schießen. Nur die Berichte zu den tatsächlichen Erfolgen des Kangal-Einsatzes und zu der Wieder-Auswilderung geretteter Tiere wurden nur peripher angerissen. Aber wie dem auch sei: will man einen privaten Gepardenzoo besuchen und genetische Datensammlung unterstützen, steht einem Besuch nichts entgegen. Südlich von Otjiwarongo gibt es noch eine der beiden Africat-Farmen, welche ähnliche Ziele verfolgen, dabei aber ihr Augenmerk nicht ausschließlich auf Geparden, sondern auch auf Löwe, Karakal, Leopard, Wildhund und die Braune und Tüpfelhyäne legen.

 

Nach unserem Geparden-Stop und der Aufstockung unserer Vorräte in Otjiwarongo ging es weiter zum schon am Horizont thronenden Waterberg.

Der Waterberg ist ein 1857 Meter hoher Inselberg, dessen Plateau sich 200 Meter über die umschlossene Hochebene erhebt. Am Fuße dieses letzten Aufstiegs schlugen wir unser letztes Camp der Reise auf. Die fehlenden Türen unseres Toilettenhauses ersetzten wir durch Wäscheleinen und Besen-Barrikaden, die Aussicht über das Tal wurde genossen, die Beine baumelten im kreisrunden Pool, während unser kochkundige Anführer ein köstliches Curry auf dem Feuer zauberte.

Nach dem Abendessen saßen wir noch lange rund um das Feuer, erdachten uns individuelle Indianernamen wie „Steht mit einem Bier“ und sangen „Eisgekühlter Bommerlunder“ und lauschten dem „Südwesterlied“. Als der Großteil der Gruppe schon in die Zelte gekrochen war und sich auch am Feuer die Müdigkeit breit machte, wurden wir noch mal durch das heimliche Anschleichen einer Ginsterkatze an den ein Meter hinter mir stehenden Currytopf wachgerüttelt. Was ein hübsches Tier! Eine Katze im Waschbär-Outfit.

Und bald waren sie auch schon zu zweit und definitiv mehr an unserem Essen als an uns und unseren Lampen interessiert. Eine wunderschöne und unerwartete Begegnung!

 

Der letzte volle Reisetag begann wie so oft mit einer übereifrig pünktlichen Gruppe, die schon teils 30 Minuten vor Abfahrt im und am Fahrzeug wartete, während ich noch meinen ersten Kaffee trank und der Tisch schon unter meiner Müslischale gewischt wurde. Ich werde nie verstehen, warum es attraktiver ist aktiv zu warten, statt den Morgen gemütlich zu starten. Vor allem, wenn klar ist, es wird weder früher abgefahren, noch würde es etwas bringen. Nun denn, pünktlich um fünf vor acht waren wir am Treffpunkt der Lodge und warteten auf unseren Wander-Guide zum Hochplateau, welches man ohne offizielle Begleitung nicht besteigen darf. Schon um 8:30 Uhr waren wir komplett … und auf ging es zu Fuß zurück zu unserem 1,5 Kilometer entfernten Camp, wo der Aufstieg starten sollte. (Nur die Tatsache, dass der Schlusspunkt wieder bei der Lodge und unserem Auto sein sollte, beschwichtigte etwas diese Routenplanung.)

Nachdem wir uns ja bereits im Naukluft-Gebirge als Wandergruppe eingespielt hatten und die jeweiligen Stärken und Schwächen kannten, war dieser Aufstieg eher unspektakulär. Oben angekommen betonte der ganz in türkis gekleidete Herero-Kollege, dass wir, wenn wir Glück hätten, hier oben auf dem Plateau auf Tiere treffen könnten. Und wenn wir richtig Glück hätten auch auf Büffel. – Also eher nicht.

Aber gleich einer Schallplatte mit Sprung wiederholte er diese Aussage satte vier Mal bevor er wieder in Schweigen verfiel um dann in einem relaxten Gänsemarsch los zu spazieren. Was soll ich sagen? Spannend ist anders!

Irgendwann kamen wir an der Kante des Plateaus an und konnten die eindrucksvolle Aussicht nach Süden genießen. Ein wirklicher Inselberg! Denn weit und breit erstreckte sich das ausschließlich flache Land. 100 Meter unter uns zogen Raubadler vorbei und wenn man sich konzentrierte, konnte man auch ein einsames Fahrzeug auf der Pad erspähen.

Danach ging es zurück gen Lodge gen Camp und der Nachmittag stand zur freien Verfügung. Teils wurde weiter gewandert, teils gepackt, teils geschlafen oder am Pool abgehangen. Der nahende Abschied war geradezu zu spüren.

Als letztes Abendmahl gab es Springbock und unsere geliebten Toasties und viel viel Bier und Wein.

Unterbrochen von ausgiebigen melancholischem Schweigen wurde Einstein zitiert – oder war es ein Stein?! – und all die vielen schönen gemeinsamen Momente, persönliche Highlights und Running Gags noch einmal besprochen. Lachen. Schweigen. Lachen. Schweigen.

Und zum Trost besuchte uns noch einmal die Ginsterkatze, die auf neuerliche Beute hoffte und diesmal unerschrocken bis zu meinen Füßen kam.

Zu zweit saßen wir noch lange und sprachen über das Leben, deuteten die Formen der Glut und lauschten den quälenden Schreien der Klippschliefer und den durch’s Tal hallenden Rufen der Paviane. Morgen würde es zurück in die Zivilisation und zurück ins eigene Leben gehen.

 

Der letzte Tag wurde wie immer zeitig und überpünktlich begonnen, so dass ich trotz meiner Dusche um 6:15 Uhr früh kaum Zeit zum Verschnaufen hatte. Plan war es in Okahandja den Holzmarkt zu besuchen, Biltong (Trockenfleisch) zu kaufen, in Windhoek Tierfelle beim Fabrikverkauf zu erstehen und dann noch schnell beim Tierpräparator Halt zu machen, bevor ein Teil der Gruppe den Tag wartend auf einer Gästefarm nahe des Flughafens verbringen würde und wir anderen gegen 16 Uhr am Flughafen einzuchecken hätten. Was soll ich sagen? Alles lief nach Plan!

In meiner Abschiedsmelancholie starrte ich aus dem Fenster und einzig der letzte Straßenname, der mir ins Auge fiel, vermochte es mich noch einmal aufzumuntern: Beer Lover Boulevard!

Danke Namibia – es war wunderschön mit Dir!

 

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