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Wo nur anfangen?!
Am Besten ich unterteile einfach alles!
Das Babes-Weekend: 22.September – 26.September 2005
Yvonne uns Steffi hatten sich als Gaeste in meiner neuen Heimat angesagt. Meine ersten Gaeste! Und um noch konkreter zu sein: Steffi ist 3 Stunden vor Yvonne gelandet. Knapp, aber klarer Sieger!!
Naja, alle eingesammelt – Vertraute in falscher Umgebung – sie mit Ueberlebenspackage ausgestattet, welches aus Reise-Buerste-Spiegel-Set, MRT-(U-Bahn)-Wiederaufladbarer-Karte, Taschentuecher, Getraenk, Duschschwamm, dem Notfallkitt mit allen Adressen und Telefonnummern und final: dem “Babes-Weekend-Time-Schedule”, und damit ausgeruestet sind wir mit dem Taxi und dem vielen Gepaeck in meine Wohnung gefahren und hatten erstmal Bescherung fuer mich… Man muss ja fairerweise gestehen, dass fast die Haelfte beider Koffer nur Nachschub fuer mich war! Von deutschsprachigen Buechern, ueber gemisste und geliebte Kleidungsstuecke bis hin zu Reissdorf Koelsch. [wo ich das gerade schreibe, bekomme ich verstaendlicherweise Durst!]
Und nach einigem Gequatsche und austauschen neuster Neuigkeiten und der Feststellung, dass der ‘Time-Schedule’ einen ‘free& easy’-Abend vorgesehen hat, haben wir uns auf die erste ‘grosse’ Reise der Maedels innerhalb Singapurs gemacht…
Natuerlich in eine Mall! Plaza Singapura. Da wurde dann (Window-)Shopping betrieben und abschliessend mit meiner lokalen deutschen Freundin Cornelia zusammen lecker-schmecker Thai gegessen.
Am naechsten Morgen (ich hatte mir ja frei genommen) war dann Stress angesagt, um den schon zweimal erwaehnten ‘Time-Schedule’ einzuhalten.
Exkurs:
Babes-Weekend-Time-Schedule [Baebs-Wiekaend-Teim-Skediul]
Aus zwei absolute nachvollziehbaren und einleuchtenden Gruenden hab ich mich dazu hinreissen lassen diesen Stundenplan zu preparieren.
a) Yvonne hatte einen Aufenthalt von sage-und-schreibe viereinhalb Tagen gebucht (O-Ton: Jeder sagt, in Singapur lohnt es sich nicht laenger als 3-4 Tage zu bleiben.). Und wollte ja “alles” sehen.
b) Ich bin schliesslich Organisierer von Beruf…da kann ich doch nicht die Scham auf mir sitzen lassen, nicht alles durchgeplant zu haben!?
Also habe ich mir die Zeit genommen und versucht zwei hochgradig erlebnisreiche Tage zu planen und – realistisch wie ich bin – zwei weitere fuer Extreme-Malling (wie wire s ’97 in den USA tauften), sprich einkaufen zu lassen. Denn wenn man eines nicht in Singapur umgehen kann, dann sind das Einkaufsmoeglichkeiten…jeglichster Art und definitive im Preis gleich oder billiger als in der deutschen Heimat!
So war der Anreise-Tag, Donnerstag, bewusst locker gehalten, denn man weiss ja nie wie stark sich der Jetlag auswirkt! (trotz anhaltender Nachtaktivitaet hat Yvonne jedoch drauf bestanden, dass sie gar nichts vom Jetlag bemerkt;D]
Freitag dann sollte in den fruehen Morgenstunden (naja 8-9 Uhr) starten und als erstes Ziel unsere herrliche man-made Insel Sentosa haben. Sonnen und schwimmen. Dann optional “Underwaterworld” besuchen (ebenfalls auf Sentosa zu lokalisieren). Spaeter mit der Seilbahn rueber aufs Festland auf en Mount Faber die Aussicht und einen Snack geniessen. Dann weiter mit dem Taxi ans andere Ende der Insel (ja, Singapur selbst ist eine Insel) zur Pferderennbahn. Dann optionales Essen mit meiner Freundin aka Vermieterin Sarah und optionaler Kneipenbesuch.
…Das war ‘grob’ der Plan.
Samstag stand vormittaegliches Chinatown auf dem Programm, dortiges Mittagessen, gefolgt von einer Thai-Massage. Dann weiter in den Botanischen Garten. In einem dort angesiedelten Restaurant zu Abend essen um anschliessend zum Zoo bzw zur Nacht-Safari weiterzuzuehen. Optionales Barhopping im Anschluss.
Sonntag free& easy (shopping in der Bugis Street bzw Orchard Road Gegend als Vorschlag). Abends Raffles Hotel Long Bar.
Montag free & easy (optional Inga bei der Arbeit zum Mittagessen treffen.
Montagabend: Abreise Yvonne.
…Wie gesagt: Nur grob!
Ja und eigentlich hatte ich nicht wirklich erwartet, dass dieser Stundenplan ernstgenommen wird (auch wenn durchdacht) und wir ihn tatsaechlich abarbeiten wuerden…
Und um das mal zu erwaehnen: Auch wenn stets zeitlich verzoegert (und den kalkulierten Zeitpuffer nutzend) haben wir alles bis auf das Barhopping und das Mittagessen in Chinatown eingehalten!
Sicherlich hatten wir zwischenzeitlich unsere Differenzen was die Einstellung zum Zeitplan anging…oder besser die Motivation ‘schon wieder’ was neues zu sehen. Aber ich glaube ich uebertreibe nicht, wenn ich sage, dass die zwei Babes es gerade im Rueckblick als sehr positive und intensive Tage sehen! Ich im Uebrigen auch…ich war an vielen der Orte ja auch noch nicht wirklich gewesen…
Auszuege:
Sentosa
Satte zwei Stunden waren wir am Siloso Beach… In diesen zwei Stunden hat Yvonne sich unzaehlige Male von uns anderen zwein versichern lassen, dass die Sonne sich doch nun wirklich nicht sonderlich intensiv anfuehle. Wir waren im idyllischen Wasser plantschen, lauschten den bezaubernden Klaengen, die die kuenstlichen Felsen auf unser Klopfen hin gaben und beobachteten die Hochseetanker die ein paar hundert Meter weiter draussen ihre lange Reise antraten. Seufz!
Aber wir hatten Spass!
Und als Yvonnes Ruecken dann trotz des milden Sonnenscheins erst rot und dann leicht lila wurde…wohl ein Koerperteil versaeumt einzuschmieren…beschlossen wir weiterzuzuehen gen “Underwater World”.
Dazu kann ich nur sagen: Es hat bisher und wird wohl nie ein Touristentrio mehr Fotos in so einer kurzen Zeit verschiessen! Aber wir hatten Spass und haben von See-Angels (etwa 2cm Groesse) bi shin zu 2-Meter-grossen Haien alles abgelichtet und kommentiert.
Turf Club/ Pferderennbahn
Aus Ruecksicht auf die voellig unbeeindruckbare Steffi (zumindest was so etwas wie Pferderennen angeht) waren wir fuer ganze zwei Rennen im noerdlichen Singapur.
Yvonne und ich wollten ein selbstauferlegtes Prinzip brechen und diesmal wetten – so richitg mit Einsatz! Ich alte Schisserin musste mich aber erstmal tuechtig aklimatisieren. Sprich ein Rennen lang alles observieren, das System verstehen und schauen wie gut meine imaginaere Wette gelaufen (wortwoertlich) waere. Das alles bewaeltigt, sind wir dann erst zur Pferde-Parade gegangen, haben unsere Favoriten ausgeguckt (bei uns immer eine reine Sympatie- und Spekulationsgeschichte), weiter zum Wettschalter, den Mindesteinsatz von …ho-oh-oh-ho..5 Sing Dollars (das entspricht in etwa 2,50 Euro) auf Platzgewinn (sprich erster, zweiter oder dritter Platz) gesetzt und weiter auf die Tribuene zur in meditativen Gelangweiltheitsschlaf versetzten Steffi zurueckgekehrt. Was war ich aufgeregt!!! Muss man nicht verstehen…
Das Rennen ging los, die Tribuenen-Maenner (ja: ueberwiegend) am Bruellen und Anfeuern, und mein schwarzes Pferdchen galoppiert da gemuetlich im Mittelfeld rum. Es hatte sich mit einigem Rumgezicke vorm Angelangen an der Startbox ja auch schon reichlich erschoepft…aber wer so gemaechlich im Mittelfeld mithalten kann, soll mal anfangen sich anzustrengen!! Und auf dem letzten Drittel ist mein Rappe dann Satz fuer Satz beschwingt auf den zweiten Platz gehoppelt! Ich hatte gewonnen!!!! Yvonnes Pferdi hatte immerhin den vierten Platz gemacht. Naja, und dann konnte ich meinen Gewinn von satten 16,50 Sing Dollar abholen und mit den Maedels zurueck in die Innenstadt ziehen um das Geld zu verprassen…:)
Night-Safari
Das Nachtsafari-Areal ist separate vom uebrigen Zoo. Um ein komfortables, organisiertes Erleben aller naechtlichen Tierarten garantieren zu koennen, nutzen 90% der Besucher die angebotene Bimmelbahn um eine Tour durch die Gehege zu geniessen. Besagte Bimmelbahn sei sich eher als uebergrosses Electro-Golfcar (nicht: VW Golf!) in Zugabteil-Version vorgestellt. So faehrt man durch die dunkle Nacht, hoert den Tourguide durch die Lautsprecher wieder und wieder saeuseln “Oh see. How lucky we are:…”, dreht sich bald nach links und mal nach rechts und spaeht, den Blick gelenkt durch die Gehegescheinwerfer, durch die Dunkelheit. So tuckerten wir an verschiedensten Arten von Rotwild, an Loewen, Baeren und Nashoernern vorbei.
Auf halber Strecke gibt es einen Bahnhof-Stopp, an dem man aufgefordert wird den 20-Minuetigen walking Trail zu erkunden und die guided tour spaeter fortzusetzen.
So sind wir brav losgestiefelt. Gleich zu Anfang stiessen wir auf eine Menschentraube die sich vor einer Glasscheibe beobachtend zusammendraengte. Tasire, das Nationaltierchen der Philippinen. So aeffchenartige kleine Viecher, die seitlich an Baumstaemmen kleben und aufgrund der Nachtaktivitaet riiiiiesiiiiige Augen haben. Ich fand ja, dass es im Umkreis vor dem Gehege verboten nach Haschisch roch. Und daran gewoehnt, dass deutsch geradezu eine Geheimsprache ist, die niemand versteht, habe ich diese olfaktorische Wahrnehmung auch sogleich laut mitgeteilt. Haha. Da waren wohl doch einige in der Menschentraube, die der deutschen Sprache maechtig sind.
Wie dem auch sei. Ich also: “Hoert mal, riecht es hier nicht tierisch nach Hasch?! Ich dachte wir sind in Singapur..”, daraufhin Steffi: “Ich mein, dass wuerde immerhin die grossen Augen erklaeren – das sind halt Kiffertierchen!” Ich glaub ab diesem Kommentar, haben wir uns nur noch koestlich amuesiert!
Aber den Hoehepunkt hatten wir in den Gehegen von ‘Flying Squirrels’ und ‘Flying Foxes’! Flying Squirrels sind ‘Flughoernchen’. Aber das, was man bei uns als Eichhoernchen-grosses Etwas mit halt flaechiger, befellter Verbindung zwischen Knoechel und Handgelenk kennt (oder auch nicht), ist hier etwa Hauskatzen-gross und doch schon reichlich beeindruckend wenn es ueber deinem Kopf von einem zum naechsten Baum segelt!
Und in diesem riesigen, uebergitterten Gehege gab es auch noch Flying Foxes = Flughunde = die groesste (bekannte) Fledermaus-Art, mit einer Spannweite von ca 80cm bis 1 Meter. [Yvonne musste an dieser Stelle treffenderweise feststellen, dass es dann wohl doch keine Vampire gibt…] – Schudder. Diese FLughunde haben dann nochmal ein separates Gehege mit ‘Mangrovenwald’. Und als wir durch dasselbige geschlendert sind, waren mit einem Mal alle anderen Touristen irgendwo anders hin abgebogen… Ja, hm, man schaut halt so rum, hoch in die Baeume, entdeckt ein oder zwei oder drei (es ist dunkel!) und starrt sie an. Und ploetzlich kam eine dieser riiiesigen Fledermaeuse vom gegeueberliegenden Ende des Geheges auf uns zu geflattert…da hat sich sogar aus meiner Kehle ein Quietscher geloest! Entsprechend haben die entstandenen Schallwellen auch die Fledermaus ganz schnell Reissaus nehmen lassen. Nun mit rasendem Puls, gepuschten Adrenalin haben wir uns kichernd an eine Wegeskurve gestellt, starrten in das Mangroven-Geaest in das die Fledermaus verschwunden war und wollten warten um eine weitere ‘Attacke’ auf Videofilm bannen – Beweismaterial halt! Da meinte Steffi nur ganz cool, ein zwei Metern hinter Yvonne und mir stehend, “Ihr fuehlt euch nicht beobachtet, oder?!” Zoegernd und mit hochgezogenen Schultern drehten wir vorsichitg unsere Koepfe nach links und rechts…von einem Meter Abstand an glotzten uns unglaublich viele Augenpaare an und schienen abzuwaegen was wir zwei Bekloppten da so bibbernd an der Ecke stehen. Yvonne schaltete die Kamera ein und verkroch sich hinter meiner Schulter, ich zog unbewusst Zentimeter um Zentimeter meine Einkaufstuete bis zu meinem Kinn herauf…Und dann kam wieder eine ‘Attacke’..kreischen, abdrehen und gut. Wir mussten uns leider eingestehen, dass das Video wahrscheinlich eher wie eine schlechte Kopie von ‘The Blair Witch Project’ wirken muss – viel realistische Wackelkamera, Scheie, und der Zuschauer kann einfach nicht erkennen was Sache ist. Und laut Yvonne wirkt das Video wohl tatsaechlich ein bisschen verwirend: man sieht ruhig an den Baeumen haengende Fledermaeuse und hoert dazu aufgeregte Weiber brabbeln und kreischen. Aber glaubt mir, so direkt einem Vampir-Viech von der Groesse Auge-in-Auge gegenueber zu stehen, ist schon bizarr!
Sonntag:
Drei Frauen mit drei verschiedenen Geschmaeckern gehen zusammen einkaufen… Man kommt so gar nicht von der Stelle. Aber alle sind nach 6 Stunden gluecklich und pleite in die Korbsessel der beruehmten Long Bar im Raffles Hotel gefallen.
Ich glaube ich hatte schon mal ein wenig von der Bar berichtet. Hier aber noch einmal kurz: In der Long Bar wurde einst der beruehmte “Singapore Sling” erfunden – ein wunderbarer Cocktail auf Gin-Basis mit Kirsch- und Zitronen-Geschmack. Die Bar selbst zieht sich ueber zwei Stockwerke, ist in dunklem Holz gehalten, mit gemuetlichen Korbsesseln und –sofas und niedirgen Wurzelholz-Tischen eingerichtet und Antiquitaeten und Accessoires aus dem vorletzen Jahrhundert geschmueckt. Dabei ist der Bodern ueber und ueber mit Erdnussschalen bedeckt, denn hier darf man die Schalen straffrei und voll Genuss auf den Boden fallen lassen, was das typische Knacken und Rutschen bei jedem Schritt ausmacht. Abgerundet wird das ganze durch elektronisch betriebene Faecher, die in Reih und Glied an der Decke angebracht sind und im Rhythmus der funkig-jazzigen Life-Musik schwingen und dadurch eine leichte Brise zaubern. Eine schoene Reise zurueck in die Kolonialzeiten auf ihre positivste Weise.
Das Babes-Weekend war schoen, ausgefuellt und erlebnisreich! Und nicht zuletzt aufgrund des “Time Schedules”….
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